Wortschwälle

Wortschwälle

von

Ferdinand Friedlos

“Gnädiger Herr, das sind nichts als wunderliche und schnarrende Reden.”
William Shakespeare >Hamlet< (Wielandsche Übersetzung)

 

Haarige Szenen: Wenn Dänen sich beim Gähnen genussvoll aus den Fenstern lehnen,  werden sich die Strähnen ihrer Mähnen im Winde dehnen, während die Haare auf den  Zähnen sich im Paradiese wähnen.

Viehischer Humor: Fällt Hirte Hitzig morgens um sieben von den steilen Stiegen, so dass sich seine Ziegen vor Lachen den langen Hals verbiegen, sich prustend und schüttelnd die Bäuche wiegen, um dann schließlich kichernd auf der Weide zu liegen, dann werden diese albernen Ziegen wohl bald Besuch vom Schlachter Kaltbluth kriegen.

Heilige Wasser: Im Ganges ist das Baden, ob der darin allgegenwärtigen Maden nur erlaubt bis zu den Waden, schlicht um zu verhindern bleibenden Schaden. Lediglich Brahmanen, welche zugehörig zu den höheren Graden, dürfen bis zu einer Tiefe von sieben Faden in das verschmutzte Gewässer waten, dabei vertrauend auf die göttlichen Gnaden.

Ein Maientag: Legt sich der Hinnerk nackt und lose auf des dunklen Waldes grüne Moose, so krabbelt ihm in munterer Pose ein Käfer in die lässig abgelegte Hose, welcher auf dem Heimweg ihm ganz famose kneift in seine beste Chose. Der Hinnerk, fluchend wie ein Matrose, fängt den Übeltäter in einer leeren Dose und verarbeitet diesen mit triumphierendem Getose zu Hause zu leckerer Maienkäfersoße.

Der ermüdete Adorno am nachmittäglichen Schreibtisch: “Das Leben lebt nicht, die Briefmarke klebt nicht, mein Denken erhebt nicht.”

Befriedigtes Dasein: Mitunter holte sich der kleine Gunter, welcher früh am Abend noch recht munter, genußvoll unter dem Pullunder noch rasch einen `runter, so dass nebenan wackelte der Plunder.

Tonangebend: Es flog der Fensterputzer Anton, lediglich für den geringen Mindestlohn, vom hohen, geranienverblümten Balkon und traf beim Aufschlag auf dem Beton genau den richtigen Ton.

Biologische Grenzen: So ein Ameisenbär tut sich immer sehr schwer, wenn er fahren will über das weite Meer, denn auf den hohen Wogen nimmermehr, findet er Ameisen als Wegezehr.

Incident fatal: Als der gewaltige Wal stolperte über einen winzigen Aal schien dies zunächst banal, ja vielen sogar normal, entpuppte sich aber als Fanal des Endes der Walherrschaft über den Aal und das in jeglichem ozeanischen Areal.

Wanderers Frust: Wenn kleine, freche Meisen dem Wanderer beim Reisen gehörig auf den Kopfe scheißen, so dass ihm die Gesichtszüge entgleisen und Hut und Laune rasch verschleißen, dann werden diese dreisten Meisen nur noch “übles Federvieh” geheißen und während sie noch höhnend Zoten reißen, vom Ast geschoßen mit glühendem Eisen.

Aus der Geschichte der Medizin: Auch in der besten aller Welten fanden sich, wenn auch selten, mitunter leichtbekleidete Kelten, die im Freibad sich erkälten, so dass die roten Triefnasen sie entstellten, verquollene Augen sie stark quälten, auch die Wangen sich schuppig schälten und sie den bärtigen Druiden aus Lebzelten den Kamillentee mußten entgelten, welchen diese dienstbeflissen zur Verfügung stellten, während sie den Leichtsinn der Patienten schelten.

Heimatlich: Wenn Franken sich beim samstaglichen Tanken um den besten Tropfen zanken, als ob sie am Durste gar sehr kranken, dann muss man den Lieben Gotte danken, wenn sie nicht unter den Hieben ihrer Pranken ganz gewaltig schwanken, statt dessen nur mit Schimpf einander umranken, bis dann die Wüteriche erschöpft in ihre Autositze sanken.

So manche aalglatte Dorade fände es mehr als schade, um nicht zu sagen fade, wenn jede kleine fette Made in ihrem Aufbau wäre schnurgrade.

Rezepttipps: Es bleibt dem Kannibalenkoche anzuraten, international tätige Diplomaten stets unter Zugabe von reifen Tomaten, welche man erstand im Ökoladen, und unter Vermeidung von künstlichen Aromaten gut und kräftig durchzubraten, so dass dann besonders Vertreter der Beneluxstaaten, sind sie in der Pfanne wohlgeraten, schmecken wie köstlicher Kalbsbraten.

Idyllische Gartenintrigen: Wenn sich Schnecken treffen hinter dunklen Ecken, um böse etwas auszuhecken und dabei noch grinsend Salatblätter schlecken, dann wird der Gärtner sie entdecken, mit giftigem Korn sie rasch bedecken, so dass die schleimigen Kriechtiere elend verrecken.

Unkenrufe: Wenn im Frühjahr liebestrunken und in kühlen Pfützen tief versunken, die Schar der männlichen Gelbbauchunken, hoffend, es werde bei einem Weibchen funken, mit ihren tiefen Stimmen stolz noch prunken, dabei den prächtigen gelben Bauch ins Wasser tunken, dann wird meist von prüden Lurchinnen spröde abgewunken, so dass sich die Lurche wiederfinden in finsteren Spelunken, in denen sie, sinnlos und abgrundtief betrunken, sitzen unter glorarmen, dafür wortreichen Halunken, die die enttäuschten Burschen, welche wirken wie altbackene Runken aus dem fernen und traurigen Dreihunken, mit Argumenten, welche allesamt sind erlogen und erstunken, anheuern zum Dienst auf chinesischen Dschunken, mit deren Mannschaften die Unken, so hört man, am Ende alle im unendlichen Pazifik sind ertrunken.

Badefreuden: Wenn aufgedunsene Wasserleichen schwimmen in dunklen Teichen unter hohen, schattigen Eichen, werden, während diese noch ausbleichen und gleichzeitig gründlich einweichen, grüne Frösche eifrig zwischen ihnen laichen, dabei vom Ufer aus neugierig beäugt von Blindschleichen, die niemals zuvor sahen dergleichen und sogleich den Antrag einreichen auf Zulassung zum Schwimmabzeichen.

Ende gut: Auch die religiös Indifferenten werden dereinst enden mit eher schmalen Renten, welche sie dann rachsüchtig verwenden, indem sie im Park füttern die Enten mit arsenhaltigen Brotenden, so dass dies Federvieh wird jämmerlich verenden.

Hängt der Hoden bis zum Boden, muss man wohl den Teppich roden.

Unter den deutschen Potentaten gibt es viele treuloseste Tomaten, neoliberale Staatspiraten, misslungene Bach-Kantaten und auch große Psychopathen.

Die blonde Isolde, die kleine, nette, holde, die machte, was sie wollte und heiratete, nicht, wie sie sollte, den alten, knauserigen Bolte, sondern den jungen Alois Nolte - sonst wäre sie schon längst die Witwe Bolte.

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