Aphorismen


LICHTENBERGSCHE FIGUREN

von

FERDINAND FRIEDLOS

    “Demnach und alldieweilen dann die Kürze die Seele des Wizes, und
        Weitläufigkeit im Vortrag nur den Leib und die äusserliche Auszierung
        desselben ausmacht, so will ich mich der Kürze befleissen.”
      
   William Shakespeare, >Hamlet< (Wielandsche Übersetzung)
 

Die Bezeichnung "Lichtenbergsche Figuren" rührt von dem  Göttinger Physikprofessor und Aufklärer Georg Christoph Lichtenberg her, einem  Autoren des 18. Jahrhunderts. Er ist heute nur noch wegen seiner literarischen  Hinterlassenschaften, vornehmlich seinen sogenannten "Sudelbüchern" bekannt, in  denen er Einfälle und Gedankenblitze in aphoristischer Kürze zu notieren  pflegte, hatte aber als Physiker auch das Phänomen entdeckt, dass, wenn man  Bärlappsporen auf eine Metallplatte streut und diese dann unter Strom setzt,  sich diese Bärlappsporen nach regelmäßigen Mustern anordnen. Diese Muster wurden  dann als "Lichtenbergsche Figuren" bezeichnet und dieser Name sei auf die im  folgenden wiedergegebenen und in der Tradition des großen Göttingers stehenden  Merkwürdigkeiten übertragen.

Bärlappgewächse gehören übrigens zu den blütenlosen Pflanzen,  also in die gleiche Familie wie die Farne, die Moose und der Verfasser dieser  Zeilen.

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   Zimmerlinde Zimmerlinde Zimmerlinde Zimmerlinde Zimmerlinde Zimmerlinde Zimmerlinde Zimmerlinde Zimmerlinde Zimmerlinde Zimmerlinde

Er rief in sein Innerstes nach Gedanken und es antworteten Ressentiments.

Kafkaesk: Jemand musste Professor Flappsiger verleumdet haben, denn ohne dass er etwas  Böses getan hätte, wurde er eines Morgens Vorsitzender des Prüfungsausschusses.

Er pflegte aus jeder Mücke einen Elefanten zu machen, den er dann umgehend auf  den nächsten Porzellanladen zutrieb.

Der Aphorismus beruht stets auf einer vorschnellen Verallgemeinerung, die sich  hinterher langsam als wahr erweist.

Der Aphorismus als Versuch, die Welt in einem Satz zu fassen - mehr ist sie  schließlich nicht wert.

Parteien sind technische Aggregate zur Erzeugung von Pensionsberechtigungen.

Wie fasste noch gleich Professor Flappsiger Heideggers Lehre zusammen? - "Das Sein  designed sich sein Dasein."

Hannah Arendts Mutter, als ihre von Heidegger sitzen gelassene Tochter sich bei  ihr ausweinte: "Nu Kind! Was hast` erwartet von dem m`schügenen, schofligen goj?"

Seinen Wanst, so sagte er, habe er sich zugelegt, um sich später im Grab  gegenüber den Würmern nicht lumpen zu lassen.

Idee für ein Theaterstück im Stile des Samuel Beckett: Zwei Würmer, die letzten  lebenden Wesen, die sich mit uns abgeben, treffen sich in der Leber einer Leiche  und unterhalten sich über ihren Wirt:
Wurm 1: "Ein großzügiger Mensch, ohne Zweifel. Und er hatte Geschmack."
Wurm 2: "Zumindest schmeckt er gut."
Wurm 1: "Und Geist besaß er auch. Letzte Woche hatte ich Gelegenheit in seinem  Gehirn eine äußerst kluge Abhandlung über die Ideenlehre Platos zu fressen."
Usw.

Ehrlicherweise hätte er seine Vorlesungen unter dem Titel: 'Über Gott und die  Welt und einiges mehr' ankündigen sollen.

Manche bestallte Vertreter der Wissenschaft nehmen ihre Pflicht zur Affirmation  so ernst, dass man geneigt ist, ihnen entgegenzuhalten, dass alles verzeihen  nicht bedeutet, alles zu verstehen.

Die Allgegenwart des Konformen bildet nicht eben seine tiefste, wohl aber seine  verbreitetste Affirmation.

Als geistige Autoritäten für das eigene Wirken sollte man grundsätzlich nur  Verstorbene gelten lassen. Bei ihnen kann man einigermaßen sicher sein, dass sie  keine weiteren Schweinereien mehr auf sich laden werden, die man dann versucht  wäre, zu legitimieren.

"Ignorantia non est argumentum." - Man merkt es doch gleich, wie fern Spinoza,  der Linsenschleifer, dem akademischen Betrieb stand.

Der Zyniker unter Ausschluss des eigenen Daseins.

Er hatte sich in seinem Leben so manches hinter die Ohren geschrieben. Nur  leider konnte er es dort nicht lesen.

Man merkte es ihm an, dass er als Kind häufig in den Brunnen gefallen war.

Alternativen: Es gibt kein richtiges Leben im falschen. Dafür gibt es  Gänseleberpastete im Sonderangebot. Nun denn, immerhin!

Verhandlung einer Beleidigungsklage am Ende des 20. Jahrhunderts: "Was aber,  Euer Ehren, ist die Verleumdung eines Politikers, verglichen mit dem Beschluss,  Politiker zu werden?"

Zeitenwende: Irgendwo schreibt Max Horkheimer, Bordelle und Pissoirs seien Asyle  der Humanität in der Kälte der bürgerlichen Gesellschaft. Folglich muss es eine  Zeit gegeben haben, in der die Kritische Theorie noch nicht den Ehrgeiz  entwickelt hatte, politisch korrekt zu sein.

Max Horkheimer definierte Metaphysik bekanntlich als einen Hohn auf die  Menschheit. Professor Flappsiger konnte trotzdem nicht davon lassen, denn letztlich war  er doch nur ein kleiner Schelm mit einem Hang zum schrägen Humor.

Seine Familie war traditionell der Bewegung eng verbunden. Schon seine  Großmutter arbeitete unter Horst Wessel.

"Lebe gefährlich", dachte Professor Flappsiger und lächelte hintersinnig, als sein  Steuerberater ihm die Berechnung seiner künftigen Pensionsbezüge vorlegte.

Max Weber übersetzt ins Heideggerianische: "Das Gehöre der Häusigkeit."

Bücher sind die besseren Menschen. Wem sich diese Einsicht nicht intuitiv erschließt, dem empfehlen wir, zu versuchen, einen lästigen Menschen einfach zuzuklappen.

Der Hund, ein infantiler Wolf.

Einsamkeit erträgt man am besten alleine.

Ein moderner Anhänger des Epikur: Wenn ich da bin, ist der Tod nicht da. Wenn  der Tod da ist, bin ich nicht da. Dann bin ich hoffentlich gerade im Urlaub auf  Lanzarote.

Vom Umtausch ausgeschlossen: Nachdem Rabbi Salomon, ein begeisterter Aquarianer,  sich einen echten Koi-Karpfen aus Japan bestellt hatte, schickte ihm die  Tierhandlung statt dessen einen echten polnischen goj, den er nun, zu seinem  Ärger, durchfüttern muss.

Das Große illustrierte Katzen-Buch: Haltung, Pflege, Zubereitung.

Abends in der Kaserne, wenn die Soldaten ihren Zapfen streichen.

Eine Inschrift: Denkmal des unbekannten Mohel, dem die Welt die Theorie der Kastrationsangst zu  verdanken hat. Gestiftet von der Wiener Gesellschaft für Psychoanalyse.

Sie wurde allgemein als praktizierende Blondine eingeordnet, doch es kursierten  Gerüchte, wonach sie konvertiert sei.

Sein Ziel war es, den Typen zu erwischen, der das Arbeiten erfunden hat, um ihm  dann die Fresse einzuschlagen.

Bei ihm war so häufig der Groschen gefallen, dass ihm schließlich das Kleingeld  ausging.

“Die Kunst der wichtigen Miene und ihre praktische Anwendung. Ratgeber für  angehende Akademiker aus der Feder von Professor Flappsiger”
Professor Flappsiger gilt als ausgewiesener Fachmann in dieser Kunst, da es ihm gelang,  seine gesamte Universitätskarriere nur durch ihre gekonnte Anwendung zu  bestreiten. Die Krönung seiner Meisterschaft in diesem Metier zeigte sich vor  allen Dingen in seinem genervt wirkenden Gesichtsausdruck, den er nach Ansprache  durch einen Studenten binnen Sekundenbruchteilen aufsetzen konnte, um im  Gegenüber den Glauben zu erwecken, man hätte den Herrn Professor aus tiefsinnigen  universalhistorischen Reflexionen herausgerissen, während der Gelehrte in  Wirklichkeit gerade im Gedanken die Einkäufe für das Wochenende durchging.

Die bürgerliche Gesellschaft stellt eine einzige große Lüge dar. Aber wer  verträgt schon die Wahrheit?

Das Spätwerk Joseph Roths: in Alkohol konserviertes Talent.

Ein Marketinggenie: Nachdem er jahrelang einen blühenden Handel mit koscherem  Schweinefleisch betrieben hatte, sattelte er im Alter auf den Verkauf von  protestantischen Reliquien um.

Ein entnervtes Schild an einem stark frequentierten Kornfeld: "Flinten  reinwerfen verboten!"

Nosce te ipsum: Wer das Denken nicht wie eine Waffe gegen sich selbst zu richten  vermag, hat in der Philosophie nichts verloren. Ohne diese suizidale  Grundbefähigung bringt man nur technisches, lebens- und karrieredienliches  Geplänkel zustande.

Der eigentliche katholische Denkstil lässt sich näherhin als heitere,  unumstößliche Gelassenheit vor düsterem Hintergrund charakterisieren.

Ein katholischer Skeptiker ist nur scheinbar ein wandelndes Paradoxon.

Beamtenlaufbahn: Er hatte sich im Gemeindeamt buchstäblich nach oben geschlafen  und dies ist bitte ohne jede sexuelle Konnotation zu verstehen.

"Gesundheit!": Laut einer Kurzmeldung der FAZ ist der Zustand von Jürgen  Habermas kritisch. Aber das wussten wir doch längst! Schließlich hatte Habermas  selber uns diese Tatsache jahrzehntelang unter die Nase gerieben.

Galgenhumor: Als die Ärzte ihn aufgrund der erstellten Diagnose dazu  aufforderten, dem Tod ins Auge zu blicken, machte er den Einwand geltend, dass  er dafür zu schüchtern sei.

Pappenheimer: Aller Menschenkenntnis, und damit implizite auch aller  Selbsterkenntnis wohnt etwas Maliziöses inne. Müßig zu fragen, ob dies am  Subjekt oder am Objekt des Erkennens liegt.

Tabus: Im Hause des Gehenkten erwähne den Strick nicht. Und am Lehrstuhl deines  Professors erwähne niemals die vergessenen Gelehrten, von denen er abschreibt.

Das kommunikative Handeln und seine Grenzen: Sagt der Taube zum Blinden: "Sehen  Sie mich gefälligst an, wenn ich mit Ihnen rede!" Antwortet der Blinde: "Sie  wollen mich einfach nicht verstehen!"

Gretchenfrage: Ob uns wohl die progressiven und kritischen modernen Theologen  die Frage beantworten können, ob Gott noch an uns glaubt?

Philosophischer Orientierungssinn: Wenn Professor Flappsiger, was gelegentlich vorkam, zu  einem philosophischen Kongress nach Neapel eingeladen wurde, buchte seine  Sekretärin, um sicher zu gehen, stets auch ein Hotelzimmer in Nepal.

Immer besser: Den Fortschrittsbegriff, der dem 'Projekt Moderne' zu Grunde liegt  zu durchschauen, meint, ihn als ein Flanieren mit dem Teufel zu dechiffrieren.

Klappern gehörte bei ihm nicht nur zum Handwerk, es erschöpfte sich vielmehr darin.

In aller Kürze: Ein guter Aphorismus ist ein treffender Gedanke aus dem  kleinere, karrierebefließene Geister ein ganzes Buch machen würden, wenn sie  denn den Mut hätten, jene Tabus zu untergraben, die der Aphorismus immerhin  ankratzt.

Januskopf: Er war Menschenkenner und Misanthrop zugleich. Das eine, so pflegte  er sich zu rechtfertigen, bedinge notwendigerweise das andere.

Politische Anthropologie: Wo sich zwei oder mehr Menschen, egal in wessen Namen  versammeln, da will einer herrschen.

Erbwalter: Orthodoxien in den Wissenschaften bilden sich stets, indem die  skeptischen, selbstreflexiven Momente in den Werken ihrer Stammväter von deren  Schülern abgetötet werden.

Erinnerungen sind der Schorf, den wir immer wieder zwanghaft von unseren Wunden  abkratzen.

Opferperspektive: Den frühen Wurm frisst der Vogel.

Sich wund leben.

Relativitätstheorie: Die Kultur des Relativismus, auf die sich unsere Moderne  gerne beruft, als wäre darunter eine philosophische Wandelhalle zu verstehen, in  der alles und jedes selbstkritisch durchdacht und tiefsinnig diskutiert würde,  entpuppt sich bei näherem Hinsehen als eine Hölle des infantilen Subjektivismus,  in der jeder Schmock sich selber und seine sogenannten Überzeugungen und Werte  narzisstisch absolut setzt.

Selbstvergewisserung im bürgerlichen Heldenleben: Vexo, ergo sum.

Sie waren beide Mitglieder im Verein zur gegenseitigen Versicherung ihrer  eigenen Bedeutsamkeit.

Sinnbild des modernen Menschen: Frei wie ein Vogel auf der Leimrute.

Alte Weisheiten hinterfragt: "Wenn ich da bin, ist der Tod nicht da. Wenn der  Tod da ist, bin ich nicht da." Dieser bekannte, angstbefreiend gemeinte Gedanke  des antiken Aufklärers Epikur, der gleichsam impliziert, wir würden dem eigenen  Tod niemals begegnen, bräuchten ihn also auch nicht zu fürchten, krankt an der  offenkundigen Tatsache, dass wir dem eigenen Tod sehr wohl begegnen und zwar im  Moment des Sterbens. Und dieser oft mit allerlei Drangsal behaftete Moment kann  sich lange hinziehen, manchmal sogar ein Leben lang. Angesichts solcher  stupenden Betriebsblindheit des aufklärerischen Denkens ist dann doch die frohe  Botschaft des "Ich bin die Auferstehung und das Leben." vorzuziehen, die  derartige offenkundige und leidensträchtige Tatsachen wenigstens nicht  wegdisputiert.

Die Frauen lagen ihm stets zu Füßen, weshalb er beständig über sie stolperte.

Ordnungspolitische Alternativen: Der Kapitalismus beruht auf der Ausbeutung des  Menschen, der Sozialismus hingegen auf dem Genickschuss.

Mienenspiel: Der dümmste aller denkbaren Gesichtsausdrücke ist der  enthusiastische.

Eine schneidig-forsche Werbekampagne: “Wenn alle Stricke reißen: Gutschneid-Guillotinen! Die effiziente Alternative zum Galgen. Firma Gutschneid: Wir köpfen für Sie seit 200 Jahren! Schauen Sie bei uns vorbei und wir liefern Ihnen umgehend eine Arbeitsprobe. Unser fachlich geschultes Personal wird Sie schnell und zuvorkommend bedienen. Gutschneid - Der Scharfrichter Ihres Vertrauens. "An meinen Hals lasse ich nur Wasser und Gutschneid!"  Wir bieten übrigens auch eine große Auswahl an preiswerten Köpfen, die sich im Haushalt ideal als  Briefbeschwerer, Kerzenständer oder Bücherstütze nutzen lassen. So mancher Kopf findet so durch unsere Vermittlung erst seine angemessene  Verwendung.”

Studentenjobs: Es werden wieder Kondomwäscher gesucht.

Das neueste Werk von Günter Grass: "Beim Schneiden des Rotkohls."

Der Lieblingsroman aller Innenarchitekten: Adalbert Stifters “Nachsommer”

Conditio humana: Es irrt der Mensch, solang er hofft.

Ungeahnte Folgen: Nachdem ein bekannter Fernsehkoch empfohlen hatte, Zwiebeln,  um sich vor Augenreizungen zu schützen, stets unter Wasser zu schneiden, kamen  eine Reihe von Hausfrauen auf tragische Weise durch Ertrinken ums Leben.

Die Soziologie wäre sicherlich eine interessante Fachrichtung, würde sie  nicht von Soziologen betrieben werden.

Um sich selber kennen und schätzen zu lernen, müsste man aufhören, sich mit  den Augen der anderen zu betrachten. Dies vermögen freilich nur extrem bornierte  Menschen, von denen es sehr viele gibt, oder unendlich weise Menschen, von denen  es nur sehr wenige gibt.

Die Toten beunruhigen uns nicht, weil sie uns an unsere Zukunft gemahnen,  sondern weil wir insgeheim wissen, dass wir ihren Ansprüchen an uns nicht  genügen.

Den wirklich guten Romanschreiber erkennt man an der Art und Weise, in der  er Lichtstimmungen zu schildern vermag. Das Licht als das am wenigsten greifbare  Element in Worte fassen zu können, erfordert höchste Kunstfertigkeit.

Säkularisierung: Der Tierfreund M., der testamentarisch verfügt hatte, dass nach seinem Ableben  seine Asche als Einstreu im Käfig seines Wellensittichs Paul Verwendung finden  solle.

Wertekonflikt: Nachdem er sich wegen des abfälligen Gebrauchs des Wortes  "Schickse" gegenüber einer Studentin eine Abmahnung wegen Sexismus eingehandelt  hatte, zieh Professor Flappsiger seinerseits die Klägerin des Antisemitismus.

An Schopenhauer ist unter anderem lobend hervorzuheben, dass er, im Gegensatz zu  anderen großen Denkern, in keinster Weise zur Begründung eines Massenmordes  herangezogen werden kann, mag dieser nun bolschewistisch, faschistisch oder  liberalistisch motiviert sein. Schopenhauer durchleuchtet das innere Wesen des  Menschen derart gründlich, dass einem die Lust am Morden vergeht.

Tatsächlich benötigen die meisten Menschen das Leid, so wie einst die Juden in  der Wüste das Manna, wüchsen sie sich doch ohne dieses Korrektiv zu regelrechten  Hundsföttern aus.

Unentschlossenheit: Die einfachste Lösung für ihre Beziehungsprobleme würde wohl  so aussehen, dass sie an geraden Tagen mit dem Freund X, an ungeraden aber mit  dem Freund Y verheiratet wäre.

Ein bekanntes Möbelhaus bietet jetzt auch Zimmergalgen einschließlich einer detaillierten  Anleitung zum Zusammenbau an.

Der Elitekreislauf der Gegenwart: Die menschliche Geschichte ist laut Vilfredo  Pareto ein "Friedhof der Eliten." Wenn sie dort nur schon lägen, unsere Eliten!

Botanische Ausflüge: Die Seelenlandschaft unserer Jugend ist eine Gemengelage  von guten und schlechten Gewächsen. Danken wir täglich Gott, wenn darin die  guten Gewächse schneller emporwachsen konnten, als die schlechten, so dass die  letzteren gezwungen sind in dichter Beschattung dahinzuvegetieren.

Duftnote: Von Friedrich Schiller erzählt man sich, dass er nur dichten konnte,  wenn in der Schublade seines Sekretärs ein fauliger Apfel verborgen war. So  dürfen wir wohl mit Fug und Recht vermuten, dass das Arbeitszimmer von Günter  Grass über der Senkgrube seines im Übrigen sicherlich idyllischen Häuschens  angesiedelt ist.

Gleichnishaft: "Da musst Du jetzt durch!", sagte der Reiche zum Kamel, welches  vor dem Nadelöhr zögerte.

Süß-saure Doppelsinnigkeit: "Schwein gehabt", denkt Jakub Cohen, als er nach dem  Mittagessen aus dem China-Restaurant ins Freie tritt und sieht, wie der Rabbi, ohne ihn zu  bemerken, hinter der nächsten Ecke verschwindet.

Fanleidenschaft: Er war immer schon einer der größten Fans der "Hannibal  Lecter"-Romane und hatte sich sogar die einschlägigen Kochrezepte aus dem  Internet heruntergeladen.

Er liebte das Leben, doch wuchs mit der Zeit in ihm die Ahnung heran, dass  dieses Gefühl nicht auf Gegenseitigkeit beruht.

Bilanzierung: Das Leben ist ein Geschäft, welches kurzfristig gesehen häufig mit  unwägbaren Verlusten einhergeht, welches dafür aber langfristig betrachtet immer im  sicheren Konkurs  endet.

Das Unbewusste ist in der Perspektive der Psychoanalyse als das Rieselfeld  unserer Seele anzusprechen.

Unappetitlich: Bei manchen unserer Zeitgenossen bedauern wir jetzt schon die  Würmer, die diese dereinst werden verzehren müssen.

Geistiger Widerstand: Sein Gehirn zeichnete sich durch  einen derart hohen Ohmwert aus, dass ihm seine eigenen Gedanken immer erst einfielen, wenn andere sie bereits ausgesprochen hatten.

Ein Schmock, der Gutes dabei denkt.

Umverteilung: Prinzipiell funktionieren moderne Demokratien so, dass Parteien  mit dem Geld der Steuerzahler die Stimmen der Steuerzahler kaufen.

Quietiv: Die Menschen sehen fern, um das naheliegende nicht betrachten zu 
müssen.

Fachgespräch unter Henkern: "Du, ich glaube, der hängt schief." -  "Naa, des is` nur der Wind."

Talisman: Die Religion vermag es vielleicht nicht, uns vor den Fährnissen des Lebens zu  schützen, aber richtig angewandt, vermag sie es, uns vor uns selber zu schützen.

Polizeibericht: Der Trickbetrüger Krauthammer wurde in Florenz in flagranti  ertappt - oder war es umgekehrt?

Militaria: Alexander der Große hatte das größte stehende Heer der Antike  vorzuweisen. Der Grund: der Stuhl war noch nicht erfunden worden.

Übler Leumund: Gemeinhin spricht niemand so schlecht über Frauen wie eben die Frauen.

Kritische Philosophie: Kants Ziel war es, die Grenzen des menschlichen  Verstandes auszuloten. Die Tatsache, dass er zu diesem Unterfangen niemals die  engen Grenzen der Stadt Königsberg überschreiten musste, sagt viel über den  Umfang seines Untersuchungsgegenstandes aus.

Fernsichtigkeit: Man erkundet eifrig das All auf der Suche nach  intelligentem Leben außerhalb der Erde. Dies provoziert freilich die Frage, ob  man es denn auf der Erde bereits entdeckt habe.

Weite Entfernungen legte sie lieber mit Hilfe ihrer Stimme als mit Hilfe ihrer Beine zurück.

Freiheit und Kapitalismus: Der Kapitalismus lässt den Menschen immerhin die  Wahl, Geld zu verdienen oder zu arbeiten. Im Sozialismus durften sie nur  arbeiten.

Kulinarisches: Kannibalen sind sicherlich nicht zu beneiden, bedenkt man den  bitteren Nachgeschmack, den viele Menschen hinterlassen.

Große Männer machen Geschichte? Nie wird man den Namen jenes Ostgoten erfahren,  der mit seinem penetranten Mundgeruch die Völkerwanderung ausgelöst hatte.

Identitätsstörung: In keiner ihrer Eigenschaften manifestiert sich der  provinzielle Charakter der Deutschen so stark, wie in dem angestrengten Bemühen,  nicht provinziell zu erscheinen.

Ehelicher Parnass: Sie rezensierte und kritisierte ihren Ehegatten in Grund und 
Boden, bis dieser entnervt das Heft und die Autorenschaft über sein Leben abgab.

Langfristige Strategie: In den modernen Demokratien zeichnen sich nachhaltig  arbeitende Parteien dadurch aus, dass sie heute schon die Alleen anpflanzen, an  deren Bäumen sie gedenken später ihre Feinde aufzuhängen.

Ursachenanalyse: Ausschlaggebend für das Scheitern seines Lebens war das  Ereignis seiner Geburt.

Konstante: Der Mensch war wohl zu allen Zeiten ein unangenehmer Zeitgenosse.

Metallurgie: Wir stellen mitunter nichts weiter dar, als das formbare Eisen auf dem Amboss  derjenigen Menschen, die beanspruchen, ihres Glückes Schmied zu sein.

Begriffsklärung: Adipositas ist ein anderes Wort für das Streben, seine Persönlichkeit zu  erweitern.

Das Leben der Ameisen: Eine gute Erziehung lässt die gesellschaftlichen und  kulturellen Institutionen in uns hineinstrahlen, um unsere Oberfläche zu einem  dicken Chitinpanzer zu verhärten, der uns auch dann noch erstaunlich lange  weiterträgt, wenn unser sogenanntes Innenleben durch die Reibungen des  Daseinskampfes zunehmend an Substanz verliert,  zunehmend amorph wird.

Verhaltenskorrektur: Sich ironisch zu verhalten meint, jene notwendige innere  Distanz zu sich und zu den Dingen wieder einzunehmen, die man nachlässigerweise  aufgegeben hatte.

Perspektivlehre: Konservatismus und Pessimismus haben einen gemeinsamen  Fluchtpunkt, nämlich die Zukunft, jenen drohenden Horizont.

Lebensdienliche Mechanik: Der archimedische Punkt, von dem aus wir unser Leben  stemmen, muss außerhalb desselben liegen.

Perspektivwechsel: Was wir bei anderen als Ressentiments denunzieren, deklarieren wir in unserem  eigenen Seelenhaushalt als Lebenserfahrungen.

Wahre Liebe: Moderne menschliche Beziehungen erinnern in ihrem Charakter und ihrer Funktion  stark an Wärmestuben oder Pissoirs.

Er hatte schon bessere Zeiten gesehen, freilich nur von ferne.

"Batterie der Toten": Die Kriege der Vergangenheit waren nicht zuletzt Versuche, das Unvermeidbare,  nämlich den Tod, zu ästhetisieren. Die Kriege der Gegenwart hingegen strahlen  unvermeidlich den effizienten Charme einer modernen Fabrik aus.

Jiddisch ist eine Sprache, die der liebe Gott geschaffen hat, um Witze zu  erzählen.

Wohlverstanden angewandt, macht uns die Religion erst realitätstüchtig.

Mangelnde Risikodiversifikation: Nachdem Barthel seinen dreiwöchigen  Mallorca-Urlaub angetreten hatte, wurden die Dorfhonoratioren von Tag zu Tag  nervöser ob der abnehmenden Mostvorräte, denn es wusste tatsächlich niemand im  Dorf, wo Barthel denselben zu holen pflegte.

Elitekreislauf: Sobald den Tüchtigen die Welt gehört, pflegt ihr Eifer zumeist  deutlich nachzulassen, was seinen Niederschlag nicht zuletzt im Zustand eben  dieser Welt findet.

Den denkenden und schreibenden Leisetretern sei es gesagt: Man kann Haare nicht  spalten, ohne sie zu krümmen.

Hinhaltender Widerstand: Der geschichtliche Beruf des Konservativen ist es, die  Übel von gestern gegen die Übel von morgen zu verteidigen.

Ökonomie meint “Haushalten”: Die Hausfrau Beate Krautwickl, die beim Zubereiten des Abendessens für ihre Familie die Dosierung des Speisesalzes von den Preisen der New Yorker Rohstoffbörse abhängig machte.

Homo mensura: Die Einführung des heliozentrischen Weltbildes wird gerne als der Moment des Aufbruchs der Menschheit in die Moderne gefeiert, legte somit aber langfristig betrachtet den Grundstein für das heute allgemein dominierende egozentrische Weltbild.

Bodenlehre: Die Weltverbesserer aller Couleur, die den Menschen der Zukunft ein Paradies auf Erden errichten wollen, indem sie die Menschen der Gegenwart unter die Erde bringen.

Harte Schale: Die Realitätstüchigkeit des Katholizismus erweist sich vor allem in seinem unerbittlichen Pochen auf die Einhaltung der ethischen Regelungen unseres Verhaltens zu Gott und zu unseren Mitmenschen, deren Zuwiderhandlung freilich milde beantwortet wird. Die Kirche kennt ihre Schäflein und hasst daher die Sünde, nicht den Sünder.

Vorsorge: Er neigte dazu, leicht zu frieren und richtete sein Leben daher so aus, dass ihm später einmal ein warmes Plätzchen im hintersten Winkel der Hölle sicher sein würde.

Bildungsreform: Im dritten Semester seines Germanistikstudiums erfuhr er zu seiner Überraschung, dass “Faust. Der Tragödie erster Teil” nicht die literarische Vorlage  für den Film “Rocky” war.

Gott schütze uns vor den großen Taten, welche mitunter großen Worten folgen.

Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kömmt darauf  an, sie irgendwie, ohne hermeneutische Ausflüchte, zu ertragen.

Mit keinem anderen Mittel terrorisieren sich die Menschen der Moderne derart, wie mit dem Begriff der Freiheit, unter deren Inanspruchnahme sie sich gegenseitig die selbe zu entziehen suchen. Man sollte um des lieben Friedens willen die Verwendung des Begriffes verbieten, was viele freilich als empfindliche Einschränkung ihrer Freiheit betrachten würden.

Freie Arztwahl: Die modernen Menschen lassen sich moralische Vorhaltungen lieber von ihrem Arzt als von einem Geistlichen machen, ohne freilich dieser neuen Instanz mehr  zu folgen, als der alten.

Eine alte Volksweise: Abendrot, Abendrot, leuchtest mir zum trocken` Brot.

Es ist ein Gemeinplatz, dass die Welt ein gemeiner Platz ist.

Holzwege: Die Schlüsselbegriffe eines Philosophen erscheinen uns, wenn wir beginnen, uns mit ihm zu beschäftigen, wie von einem Zauber umgeben, als seien sie wahrhaft Schlüssel zur Welt in ihrer Konkretheit, ihren mannigfaltigen Perspektiven und ihrer unerschöpflichen Fülle. Doch meist entpuppt sich schon nach wenigen Seiten diese vielversprechende Abkürzung in die Welt als eine öd ummauerte Sackgasse, in der lediglich die vergammelten Filmplakate des Vorjahres an den roten Backsteinwänden zu finden sind. Die Welt in wenigen Strichen zu umfassen, vermag eben nur die Kunst.

Ein Romananfang: Es war einer jener Tage, an welchen es dem Morgen ob der kommenden Dinge graute, weshalb er sich in seinem himmlisch weichen Wolkenbett noch einmal für eine halbe Stunde umdrehte.

Individualisten: Heute glaubt jeder, er habe seine eigenen Ansichten, so wie er ja auch seinen eigenen Anus besitzt und besetzt hält.

Vorurteile nennen wir jene ideell-geistigen Vorgaben, denen  gegenüber die Wirklichkeit stets redlich bemüht scheint, ihnen gerecht zu werden.

Wie du mir: Er hatte einige lange Jahrzehnte hindurch die Zeit totgeschlagen, bevor die Zeit nun endlich ihn totschlug.

Er und seine Missetaten wurden nicht an die große Glocke, sondern an den weitaus diskreteren und kleiner dimensionierteren Galgen gehängt.

Er stand als Debitor im Kontokorrentbuch des Teufels.

Man muss sagen, sie führt ein RTL-gefälliges Leben.

Besser in der Vergangenheit leben, als in der Zukunft zu sterben.

Sein Verstand arbeitete wie eine Schrotflinte: irgendwie immer treffend, aber selten mit durchschlagendem Erfolg und niemals tödlich.

Wahlverwandtschaft: Das eigentlich beängstigende an der Geistesgeschichte der Moderne ist die Leichtigkeit, mit der sich ihre Philosophen in Politiker und Mörder verwandeln.

Solchen Menschen begegnete man früher häufig an Wegkreuzungen, wo sie oft längere Zeit herumhingen, vom Winde sanft geschaukelt.

Was den modernen Menschen vom Tier unterscheidet ist in erster Linie seine ganzjährige Brunftzeit.

Von dem Philosophen Fichte ist mir aus der Studienzeit nur in Erinnerung geblieben, dass er nicht ich ist. Beruhigend, das zu wissen.

Sachkultur: Die Moderne ist eine dank ihrer ungeheueren Produktivkräfte mit vielen Dingen zugestellte Leere.

Emissionen: Die Moderne stinkt zum Himmel und betet insgeheim, dass es dort niemand riechen möge.

Entzauberung: Vor dem Siegeszug der Moderne hatten noch die einfachsten, alltäglichsten Handlungen eine sakrale Dimension. In der bei sich selber angekommenen Moderne hingegen nehmen sich noch die bedeutsamsten Vorgänge als zutiefst banal aus.

Stillstand: Die Werke der Mehrheit der Philosophen erwecken den Anschein, als hätten ihre Verfasser den Verstand angehalten, um dessen Mechanik besser studieren zu können. Unglücklicherweise haben sie nach dem Ende ihrer Erkundungen dann den Hebel zum Neustart der Geistmaschine nicht mehr gefunden und wandeln nun mit einer Laterne zwischen den in Finsternis liegenden Zahnrädern und Treibriemen umher.

Lebenstüchtig: Die Küchenschabe, so berichten die Biologen, hat gute Aussichten, die menschliche Spezies zu überdauern. Aber möchte man deswegen zu den Küchenschaben gehören?

Die notorische Unduldsamkeit des modernen Menschen beruht auf seinem eingefleischten Monotheismus: Er duldet keine anderen Götter neben sich.

Der Apfel fault nicht weit vom Stamm.

Etymologie: Radikal sein, meint bekanntlich, die Dinge an der Wurzel zu fassen. Neoliberal sein, meint hingegen, die Wurzel auszugraben, um sie dann meistbietend auf dem freien Markt zu verkaufen.

Wer darauf besteht, immer das letzte Wort zu haben, muss auch damit rechnen, den ersten Hieb einzustecken.

Abkunft und Herkommen: Es ist urkundlich verbürgt, dass an seinem Stammbaum die Windhunde Friedrichs des Großen huldvollst und unter dem wohlwollenden Lächeln ihres Besitzers das Bein gehoben haben.

Ausufernde Rachepläne: Den Galgen, welchen er im Gedanken für seine Feinde errichtet hatte, musste er beständig erweitern, ging doch der reservierte Platz immer sehr rasch zur Neige.

Interkulturelle Kompetenz: Dem Handlungsreisenden Krautnicht unterlief es während eines Meetings mit japanischen Geschäftspartnern, dass er einen der Untergebenen der Gegenpartei beschämte, indem er sich statt des angebotenen Zuckers zum Kaffee Süßstoff erbat, der freilich nicht zur Hand war. Der traditionsbewusste Angestellte sah sich daher gezwungen, auf der Stelle und in Gegenwart seines gestrengen Chefs Harakiri zu begehen.  Die Einladung, gemäß der Tradition dem Selbstmörder durch gleichzeitiges Enthaupten beim Sterben zu helfen, nahm Krautnicht bereitwillig an, konnte er doch durch diese beherzte Tat seinem Auftraggeber den ersehnten lukrativen Auftrag sichern.

Sicher ist sicher: Der Konvertit Bleistein, der, nachdem er von der Leiter gefallen war, einen Arzt, einen Priester und zur Sicherheit noch einen Rabbi holen ließ.

Gepflegte Unterhaltung im Zugabteil: “Wissen Sie, an wen Sie mich erinnern?” - “Leider nein.” - “Schade. Ich nämlich auch nicht. Ich hatte gehofft, Sie könnten mir da weiterhelfen... “

Fraglich: Durch diesen hohlen Schädel soll er kommen, der Gedanke?

Stream of consciousness: Seit ich denken kann mache ich mir Gedanken.

“Mein Herz das brennt!
   Der Rest wohl auch,
   Denn ich hab` heut` Nacht im Bett geraucht.”
 Beatrice Ekklich, Schlagerstar

Die Neue Welt fühlte sich wohl ziemlich betreten, nachdem der erste Weiße sie betreten hatte.

Nähe zur Macht: Der Journalist Sumpfschneck, über den sich seine Kollegen, wenn sie ihm auf dem Flur begegnen, anerkennend zuraunen, er habe schon einmal den Zigarettenrauch von Helmut Schmidt eingeatmet.

Conditio humana: Wir sind alle alleine. Die meisten von uns wissen dies nur nicht, da sie sich zu viel in Gesellschaft aufhalten.

Er war praktizierender Misanthrop, machte allerdings bei sich selber eine großzügige Ausnahme von der Regel.

Sprachverquerung: “Kreuzen Sie mich leckweise!”

Bildungsreform: Die modernen Universitäten wünschen sich Philosophieprofessoren, die genau so gut einen Großhandel für Sanitärbedarf betreiben könnten, und - man staune - sie bekommen sie auch.

Zwischen allen Stühlen findet sich der Ort, an welchem die Freiheit blüht.

Der Lungenarzt Dr. Brettsaeger, der in der DDR ernsthafte Probleme mit den Sicherheitsorganen bekam, da er seine Patienten im Untersuchungszimmer regelmäßig dazu aufforderte, sich frei zu machen.

Geschlechtsspezifika: Viele Frauen sind intelligenter, als ihre Männer aussehen.

Noli me tangere: Es scheint, als sei an der Moderne eine Kurbel angebracht. Rührt man diese an, so springt eine erschreckende Teufelsfratze hervor.

Angebot und Nachfrage: Wir vermuten, dass Tausende von Arbeitern der Fleischindustrie damit beschäftigt sind, aus Schnitzeln Geschnetzeltes zu produzieren oder aber - bei Umkehrung der Marktlage - aus Geschnetzeltem Schnitzel zusammenzufügen.

Tragische Erfüllung: Das Schwein Gertrude, welches von der Übermacht seiner Feinde niedergeschnetzelt wurde.

Das Schöne ist wie ein Riß in der Wirklichkeit, durch den das Licht einer anderen Welt dringt.

Was bleibt von der Welt, wenn man die Kirche aus ihr streicht? Das laute Gedränge des Marktes und der wispernde Klüngel der Parteien.

Der moderne Mensch kennt kein Ehrgefühl mehr, welches angreifbar wäre, sondern lediglich narzisstische Kränkungen.

Quintessenz des Machiavellismus: Es gibt nur ein Wesen, welches schlimmer ist als ein Politiker ohne Prinzipien, nämlich ein Politiker mit Prinzipien.

Der Tod verleiht dem Leben die Tiefe eines Grabes.

Vergangenheitsbewältigung: Von dem Gras, welches über bestimmte Sachen wächst, mästen sich ganze Herden von Eseln.

Er nahm sein Schicksal an wie einen zerknüllten Geldschein.

Lokalkolorit: In Weimar, so erzählen sich die Einheimischen, die es ja schließlich wissen müssen, gehen nachts die Geister von Goethe und Schiller um, um mit wenig erhaben, oder vielmehr: kleinlich wirkenden Taten Vergeltung an den arglos dösenden Tauben zu üben, die sich erdreisten, tagsüber das gemeinsame Denkmal der beiden Geistesgrößen zu beflecken.

Tiefer Ernst geht innig einher mit tiefer Geistesarmut, ja ist zumeist deren ausgeprägteste Camouflage.

Historisches Erbe: Die Antike hinterließ uns Tempelruinen, das Werk des Aristoteles und das Alte und Neue Testament. Die Moderne wird einer eventuellen Nachwelt lediglich Müllhalden und die Autobiographien von Dieter Bohlen und Ulrich Wickert hinterlassen.

Bandenkriege: Erhebt ein Politiker Korruptionsvorwürfe, so ist dies stets ein untrügliches Zeichen dafür, dass wieder einmal um die Beute gestritten wird.

Vandalismus: Die Leistungen der modernen Kultur sind letztlich nur obszöne Graffitis am Bau der menschlichen Geschichte.

Die neueste Kopernikanische Wende: Zum festen intellektuellen Repertoire des modernen Menschen gehört der Spott über das Weltbild der mittelalterlichen Kirche, die bekanntlich davon ausging, die Sonne drehe sich um die Erde. Die Annahme des modernen Menschen, die Sonne und mit ihr das ganze Weltall drehe sich nur um ihn, wirkt da natürlich ungleich glaubwürdiger und erhabener.

Die Hölle - das sind die Nachbarn: Nachdem Elfriede Krautschnäbler ihrer nahezu ertaubten Nachbarin Jolande Pfefferkraut über den gemeinsamen Gartenzaun hinweg anvertraut hatte, sie sei nach Ansicht ihres Ehemannes einfach zu hellhörig, verbreitete sich im Viertel in Windeseile das Gerücht, die Hausfrau Krautschnäbler sei einem Zuhälter hörig.

Freimaurertum: Eine Religion kann man nicht stiften. Man empfängt sie.

Ein dringend nötiges Werk zu unserer Zeit: “Das Schicksal der Idiotie im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit”

Die neoliberale Politik ist die Fortsetzung des Geschäfts mit anderen Mitteln.

Schopenhaueriania: Zum Misanthropen wird man unweigerlich durch eine gute, unbestechliche Beobachtungsgabe. Durch diese wird man aber auch ebenso unweigerlich zum realen Humanisten, der die verstockte Bosheit und zugleich das abgrundtiefe Leid in den Menschen sieht, welche sich nicht selten in der selben Person vereinigen.

Gefahr der Introspektion: So mancher, der in sich selbst ging, ward nimmer gesehen.

Überwindung des Feudalismus: Loyalitätsverhältnisse, welche auf Geld aufsetzen, werden stets legitimerweise durch Loyalitätsverhältnisse abgelöst, die auf noch mehr Geld basieren.

Die Technik ist der große Fleischwolf, durch den sich die moderne Menschheit dreht.

Er war offensichtlich der Elefant, den man aus einer Mücke gemacht  hatte.

Segnungen des Alters: Und mit 60 erblickte er die Gicht dieser Welt.

Viele Menschen scheinen die erniedrigendsten Verhältnisse willig zu ertragen, sofern sie sich dabei wichtig vorkommen dürfen.

Die Ratzen pfeifen es aus dem Keller.

Biblische Perspektive: Heute lachen die Zöllner lauthals über jede Vorhaltung moralischer Art, während sie eifrig ihr Einkommen optimieren, die Pharisäer zitieren je nach Opportunität des Augenblicks Jürgen Habermas oder Milton Friedman und die Richtung geben lautstark schreiend Krethi und Plethi vor.

Becketts Humor: Enthusiastisch hatte der Provinzschauspieler Schmöcklein dem Angebot zugesagt, in einer Inszenierung von “Warten auf Godot” des Staatstheaters die Titelrolle zu spielen, nur um nun Abend für Abend gelangweilt hinter der Bühne zu verbringen, und dort, statt das gehobene Publikum mit Shakespeareschem Pathos noch mehr zu erheben, belanglose Gespräche mit dem aus Versicherungsgründen obligatorischen Feuerwehrmann zu führen, Gespräche, die nun wiederum Beckett als sehr inspirierend empfunden hätte.

Resümee: Es war wohl nicht sein Tag, wohl auch nicht seine Woche oder sein Monat. Eigentlich war es auch nicht sein Leben.

Wenn heute das Rad neu erfunden werden würde, wäre es achteckig, dafür aber hippig gestylt und es würde über eine ausgeklügelte Marketing-Kampagne vertrieben.

Das Leben ist der faule Kompromiß zwischen dem Verrat an sich selber und der Perfidie gegenüber den anderen.

Das, was wir in unserem Leben gelernt haben, hat seinen Sitz in den Narben, welche sich über unseren Wunden gebildet haben.

Offene Türen: Wir werden angehalten weltoffen zu sein, damit man uns leichter ausplündern kann.

Der Transvestit Altback, der in Bekleidung und in Begleitung seiner Frau verhaftet worden war.

Der moderne Mensch verbessert die Welt nicht, indem er die Sünde, sondern indem er die Gebote bekämpft, die die Sünde als solche deklarieren.

Menschenkenntnis erwirbt man an der eigenen Person.

Verschwendung: In so mancher im Kornfeld rostenden Flinte steckt noch der eine oder andere Schuß.

Allgemeinplätze sind in der Regel gut besucht.

Die Kirche war glaubwürdiger, als sie noch den Glauben an Gott anstelle des Glaubens an die Menschen - oder gar: an die Menschheit - predigte.

Amtssache: Um zusätzliche Pfründen für Politiker der staatstragenden Parteien zu schaffen, schlagen wir vor, doch Ministerien für Pfründenbewirtschaftung auf Bundes- und Länderebene einzurichten.

Kasperletheater: Den Ernst unserer Lage kann man am deutlichsten an dem Niveau des politischen Personals ablesen, welches wir beständig angehalten werden, ernst zu nehmen.

Mitunter sind wir gezwungen zu bemerken, dass wir selber die schlechte Gesellschaft darstellen, in die wir geraten sind.

Skandal: Die Behörden haben Spuren von Menschenfleisch in Pferdefutter entdeckt, was zu Proteststürmen der Tierschützer führte.

1984: Haben wir uns erst einmal daran gewöhnt, nicht zu sagen, was wir denken, werden wir bald aufhören zu denken, was wir nicht sagen dürfen.

Freie Wahl: Demokratie bedeutet, dass die Lemminge selber bestimmen dürfen, hinter welchen ihrer führungsstarken und mehr oder weniger charismatischen Artgenossen sie auf den Abgrund zueilen.

Die Erkenntnis ein Schicksal zu haben empört den modernen Menschen ob der sich in diesem Schicksal manifestierenden Unverfügbarkeit unseres Lebens.

Märchenhaft: Schon so manche von einem Frosch geküsste Prinzessin hat sich in einen Hausdrachen verwandelt.

Medizinischer Ruhm: Man hatte eine Geschlechtskrankheit nach ihr benannt.

Mehrdeutigkeit: Kunst, gerade auch die Dichtkunst, ist ein unterhaltsames und handwerklich anspruchsvolles Spiel mit Bedeutungen, ist also scharf zu unterscheiden von Propaganda, Pressegeschreibsel oder Pornographie, deren Grenzen untereinander zusehends verschwinden.

Zeitdiagnose: Wir leben in einem phrasenschwangeren Zeitalter.

Sein Ego überragte alles, einschließlich seiner Intelligenz.

Vom Leben wie von Hrdlicka gezeichnet.

Die Menschen sind das, was sie tun, nicht das, was sie glauben zu sein. Diesen einfachen Satz verstehen heute in unserer von protestantischer Scheininnerlichkeit verseuchten Zeit nur noch wenige.

Schopenhauerania: Das Ich ist die Distanz, die wir gegenüber uns selber wahren.

Nosce te ipsum: Der wirklich ehrliche Denker nimmt sich gegenüber sich selber Dinge heraus, die er sich von anderen verbeten haben möchte.

Modernes Marketing ist die Kunst, an Menschen, die nicht wissen, was sie wollen, Dinge zu verkaufen, die sie nicht brauchen.

Den Typus des Koofmichs hat es zu allen Zeiten und in allen Epochen gegeben. Neu ist, dass er sich für maßgeblich hält.

Mit der Todesverachtung einer Eintagsfliege leben.

Zuviel der Mühe: Nazis sind Linke, die es aufgegeben haben, den Anschein des guten Menschen zu wahren.

Schopenhauerania: Was die Modernen an Schopenhauer so hassen ist, dass er den Menschen nicht, wie sie es gerne hätten, als vernunftgesteuert darstellt, sondern vielmehr die menschliche Vernunft als williges und biegsames Werkzeug von Habgier, Neid, Hass, Lust- und Machtbegehren, Geltungsdrang, Herdentrieb sowie Sadismus denunziert.

Umgekehrt proportional: Manche lange Geschichte endet an einem im Vergleich dazu relativ kurzen Strick.

Einnehmendes Wesen: Ihr wahres Gesicht zeigen Politiker nur hinter aufgehaltener Hand.

Lineare Gleichung: Das Leben verläuft entlang des Striches, den es durch unsere Rechnungen zu machen pflegt.

Der durchschnittliche Gläubige benimmt sich heute gegenüber der katholischen Kirche so, als gehöre er zu ihren Gläubigern.

Besitzt eine Nation noch eine intakte legitime Ordnung, so bedeutet dies, dass sich ihre Politiker beim Lügen anstrengen müssen.

Sie trafen sich auf einem Allgemeinplatz und verweilten dort, belanglos plaudernd, eine gute und überflüssige Weile.

Indisches Essen: Ma’ hat ma’ Ghandi an ’ner Pommesbude in Frankfurt-Bockenheim gesehen.

Welche Mühen und Plagen mussten Sisyphos, Tantalos oder Prometheus auf sich nehmen, um zum Mythos zu werden, und wie leicht fällt dies in unserer modernen Zeit, glaubt man den Verfassern von Nachrufen.

Der liebe Gott ist nicht unser nur stundenweise zu konsultierender Psychotherapeut.

Frankreich, jenes idyllische, wunderschöne Land, welches unglückseligerweise von Franzosen bewohnt wird.

Der obligatorische Philodendron - in vielen Amtsstuben das intelligenteste und agilste Lebewesen.

Man kann mitunter auch an den gebratenen Tauben ersticken, die einem in den Mund fliegen.

Wer weiß, vielleicht begeben sich in diesem Augenblick die Pilze auf die Suche nach uns.

Eine Frage der Perspektive: Ahnen wir auch nur im geringsten, wie lästig wir den Stubenfliegen fallen?

Schopenhauerania: Die traditionelle Metaphysik stellt eine zwar oft virtuose, aber doch sinnleere Variation auf das Wörtchen “Sein” dar. Die Metaphysik Schopenhauers hingegen ist mit Erfahrung durchtränkt - man kann das von ihm gemeinte hinter seinen klaren, transparenten Worten sehen und fühlen.

Anders als ihr historischer Prototyp Robespierre sind die modernen Jakobiner alles andere als unbestechlich. Dafür sind sie ebenso unausstehlich wie ihr Vorbild.

Freie Gesellschaftsordnungen beruhen dort, wo sie sich noch halten können, auf der Angst, die die Mächtigen haben müssen, wenn sie ihre Macht gebrauchen.

Aufgeklärt: Es ist erschreckend, wenn man sieht, welche Menschen heutzutage ungehemmt das Wagnis eingehen, ihren Verstand zu gebrauchen.

Eine noch zu schreibende Abhandlung: “Die neoliberale Ethik und der Geist der Psychopathie.”

Die Moderne ist wie ein verläßliches Mittel gegen Verstopfung, welches ebenso verläßlich Diarrhoe hervorruft.

Zweierlei Perspektive: In der hermeneutischen Auseinandersetzung mit Texten gibt es zwei Betrachtungsarten, die sich durch die Fragen “Was will uns der Autor sagen?” und “Was sagt uns der Autor?” umreißen lassen. Beide Betrachtungsweisen sind legitim, jedoch nur, sofern man sie strikt geschieden hält.

Jedes Zeitalter besitzt seine eigentümlichen Phrasen, doch unserem gegenwärtigen Zeitalter ist es eigentümlich ein Zeitalter der Phrasen zu sein.

Marktwirtschaftliche Überlegenheit: Die DDR ist vermutlich untergegangen, weil es kein Privatfernsehen gab.

Wer es lernt, seine Mitmenschen zu verstehen, der verliert das Bedürfnis, von ihnen verstanden zu werden.

Kollektive funktionieren stets nach dem Fassdaubenprinzip. Ihre niedrigsten Elemente bestimmen das Niveau.

Der Beschluss, Politiker zu werden beruht offenkundig nicht auf Idealismus, sondern auf einem sich als Idealismus missverstehenden Unwillen zu arbeiten.

Politische Ökonomie: Die moralische Empörung der etablierten Parteien, die regelmäßig neu auf den Plan tretenden, sogenannten “populistischen” Mitbewerbern entgegenschlägt erklärt sich hinreichend aus dem oligopolistischen und somit nicht unbegrenzten Angebot an Bestechungsgeldern.

Der europäische Brauch, sich zur Begrüßung die rechte Hand zu reichen, rührt aus einer Zeit her, als es noch kein Toilettenpapier gab. Solches Beharrungsvermögen von technisch nicht mehr zu begründenden Kulturelementen sollte dem Konservativen Hoffnung geben.

Offenbart eines deiner Kinder auf die Frage, was es denn später einmal werden wolle, politische Ambitionen, so schrecke nicht vor der sofortigen Verabreichung einer herzhaften Ohrfeige zurück.

Geistige Diarrhoe ist eine Krankheit, die erwiesenermaßen unheilbar ist, aber leider auch nicht tödlich endet.

Er genoß es, den Menschen die Suppe, welche sie sich eingebrockt hatten, auch noch zu versalzen.

Ein Romananfang: Cohns Tanten waren in seinem unstetigen Leben die einzigen Konstanten.

Menschen kann man belügen, die Dinge hingegen nicht. In diesem ehrlichen, weil sachlichen Kern liegt die Differenz zwischen allen produktiven Tätigkeiten und den sogenannten Dienstleistungsberufen.

Rent seeking: Der typische Propagandist des Liberalismus ist heute pensionsberechtigt.

Ruhmvolle Namen: Der Venerologe Wolf-Rüdiger Süffel, der die Syphilis entdeckt hatte, welche schließlich - im ehrenden Angedenken - auch nach ihm benannt wurde.

Warenfetischismus: Es waren die Linken, die mit ihrem gegen alles Überkommene gerichteten Befreiungsfuror das gesellschaftliche Ideal des Liberalen, nämlich das Bordell, als allumfassendes Rotlichtviertel verwirklicht haben. Nun, angesichts ihres Pyrrhussieges, beschränken sich die Radikalen auf Proteste gegen die hohen Preise im Etablissement und fordern Freirunden für die Einkommensschwachen sowie eine Ausweitung des Angebots für Randgruppen.

Difficile est saturam non scribere: Zukünftigen Generationen wird über unsere Ära wohl eher von einem Aristophanes als von einem Thukydides berichtet werden.

Eine verstopfte Miene.

Das Leben ahmt nicht länger, wie Oscar Wilde noch glaubte, die Kunst, sondern die Werbung nach.

Streitbare Gelehrte: Er betrieb eine akademische Haar- und Schädelspalterei.

Die Marktwirtschaft ist auch deshalb ordnungspolitisch unbedingt vorzuziehen, da sie es in unsere freie Wahl stellt, entweder zu arbeiten oder Karriere zu machen.

Dass Frauen, wie wissenschaftliche Studien immer wieder nachweisen, im Berufsleben nach wie vor stark diskriminiert werden, mutet um so erstaunlicher an, als jeder, der bereits Frauen in Angestelltenverhältnissen beobachten durfte, bestätigen wird, dass diese in solch karrierefördernden Techniken, wie etwa dem Intrigenschmieden, der üblen Nachrede, dem Mobben oder auch der Vermeidung von eigener Arbeitsanstrengung ihren männlichen Kollegen keineswegs nachstehen.

Rent seeking: Die schrittweise Legalisierung der Korruption ist nur die letzte praktische Konsequenz des Liberalismus.

Der Politiker sucht stets die Nähe zum Bürger - wie der Taschendieb auch.

Das Leben ist wie eine vergiftete Schachtel Pralinen. Spätestens das letzte Praliné ist tödlich.

Marketing als Wissenschaft: Ob wohl ein absolut zuverlässig wirkendes Haarwuchsmittel, welches ebenso zuverlässig zu Schrumpfhoden führt, Absatzchancen besitzt?

Ein Idealist ist ein Mensch mit seltsamen Ideen. Ein Realist hingegen ist ein Mensch, der unter täuschend echten Wahnvorstellungen leidet.

Porzellanläden werden mitunter von Elefanten betrieben.

Ein Romananfang: Als Bocklheimer am Morgen aufwachte, fühlte er sich wie die Raupe in der leeren Tequilaflasche, um deren Hals sich noch seine linke Hand klammerte.

Er beherrschte die Kunst der bürgerlichen Gemeinheit, also der kleinen Bosheiten des Alltags, so gut, dass man beschloß, seinen Körper nach seinem Ableben zu trocknen und anschließend zu zermahlen, um so ein wirksames Juckpulver zu gewinnen.

Jeder Staat beruht in seinem Kern auf dem Prinzip der Schutzgelderpressung. Die Mafia zahlt lediglich besser als der öffentliche Dienst und sorgt effizienter für Ruhe und Ordnung.

Der menschliche Verstand ist die Bedingung der Möglichkeit von Dummheit.

Der Kulturprotestantismus - eine Form der Anbequemung des Christentums an das bürgerliche Heldenleben.

Intellektuelle Grundregel: Dinge, die man in den Raum stellt, muss man gelegentlich auch wieder wegräumen, sonst ist irgendwann kein Durchkommen mehr.

Die überzeugten Europäer, die einem heutzutage allerorten über den Weg laufen, sind in der Regel durch Geld überzeugt worden.

Ehrfurcht mag auch ein Stück weit auf Furcht beruhen, Furcht aber niemals auf Ehrfurcht.

Analog zum Pareto-Optimum in der Volkswirtschaftslehre sollte man in der Beurteilung wissenschaftlicher Prosa den Begriff des Clausewitz-Optimums einführen. Der Begriff soll einen Zustand bezeichnen, in welchem man aus einer Abhandlung kein Wort entfernen oder austauschen kann, ohne dass der Text an Transparenz und Klarheit einbüßen würde.

Dies war ein Wink mit einem freilich morschen Zaunpfahl.

Wer keinen eigenen Geist besitzt, dem hilft der Zeitgeist gerne und großzügig aus.

The Varieties of Religious Experience: Die heute allgegenwärtige Individualisierung religiöser Orientierung und die damit eng einhergehende Ablehnung religiöser Institutionen und religiöser Riten zeigt in erster Linie, dass der Protestantismus selbst in seiner gegenwärtig dominierenden linksliberalen Spielart die Nachfrage nach einer bürgerlich-bequemen Religionsform, die ohne einen Begriff von Sünde und ohne ärgerliche Mahnungen und Traditionen auskommt, nicht flexibel genug bedienen kann.

Hinter jedem großen Mann steht eine große Neurose. Oder aber eine neurotische Frau.

Die Moderne löst ihre Probleme, indem sie beständig neue schafft.

Der Name täuscht: Intelligenz ist weiß Gott keine Voraussetzung für die Ausübung des Berufs eines Intellektuellen.

Menschen, die sehr viel sprechen, tun dies in der Regel, um vielversprechend zu erscheinen.

Ökonomie des Tratsches: Solange man gemeinsam über andere herzieht, stellt man mit relativ geringem Aufwand sicher, dass zumindest der beteiligte Personenkreis für die Dauer des Gesprächs nicht über einen selber herzieht. Die Alternative, ein unauffälliges, oder gar tadelloses Leben zu führen ist einfach zu kostenaufwendig.

Die Sottise ist der täglich gelebte Kompromiss zwischen Barbarei und bürgerlichem Heldenleben.

Die Trivialität ist die Strafe, die der Moderne auf dem Fuße folgt.

Der Mut zur Verzweiflung - das ist es, was den modernen Menschen abhanden gekommen ist.

Das Strafrecht ahndet lediglich die Vorteilsnahme im Amt, nicht jedoch die Amtnahme zum Vorteil. Auf diesem Umstand gründet sich das heutige politische Geschäft.

Die Moderne verbindet das Unangenehme mit dem Lästigen.

Alte Jungfer: Sie  blieb von den drei Töchtern der Familie sozusagen als das Anstandsstück übrig.

Die immerhin technisch begabte Moderne ersetzt das Selbst durch das Selfie.

Im Leben ist es wie in der Küche: die bitteren Tage übertönen jede andere Geschmacksnuance.

Vernunftwidriger als der Glaube an Gott ist sicherlich der Glaube vieler unserer sogenannten Leistungsträger an sich selber.

Ein Romananfang: Das Leben hatte Hammernet ausgetreten wie die Zigarettenkippe vor seinen Füßen, auf die sein wütender Blick fiel.

Enttäuschung: Wo Rauch ist, ist nicht unbedingt auch Feuer. Häufig findet nur gerade ein Interview mit Helmut Schmidt statt.

Das irritierende philosophische Problem, wie man gleichzeitig im Gedanken und in Zotenburg sein kann.

Oft ist es schwieriger, sich aus einer Sache wieder herauszudenken, als sich in die selbe hineinzudenken.

Menschen wie aus Plastik gemacht.

Überbau: Wie kulturell pauperisiert muss derjenige sein, der fremde Kulturen benötigt, um kulturell bereichert zu werden.

Kulturmenschen: Die gängige Rede der Links- und Neoliberalen von den fremden Kulturen, die uns bereichern, impliziert, dass es sich bei Kultur um etwas handelt, was man konsumiert, was man in seiner Freizeit erlebt, um diese zu würzen, also nicht etwa um das, was man selber im Kern ist, was man erleidet und durchlebt. Von fremden Kulturen kann nur bereichert werden, wer seine eigene Kultur so wie auch sich selber zu Markte getragen hat, um sich nun dank des erhaltenen Salärs im chinesischen Restaurant an fungiblen Substituten delektieren zu können, ohne sich mit den Sinngehalten des konsumierten Fremden innerlich belasten zu müssen.

Neue Normalität: Den Koofmich hat es auch in den philosophischen Fakultäten immer schon gegeben. Neu ist nur, dass ihn keiner mehr als solchen benennt. Er fällt als Typus schlicht nicht mehr auf.

In aller Munde zu sein hat etwas unhygienisches an sich.

Die Aufklärer lehrten, nur der Vernunft, nicht aber dem Gefühl zu trauen, die Romantiker hingegen hielten es umgekehrt. Wir heutigen nun wissen, das beiden Instanzen nicht zu trauen ist.

Ihm war ein Licht ausgegangen.

Folgsam: Presseschreiberlingen, aufstrebenden Politikern und Prostituierten ist es gemeinsam, dass sie das tun, was man ihnen aufträgt.

Schlechtes Timing: Das meint, am letzten Tage von Sodom einen Direktflug nach Gomorra zu buchen

Das Recht einer Gesellschaft stellt das zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erduldende, schriftlich fixierte Unrecht dar.

Schriftstellerischer Behelf: Das meint, einen hinkenden Vergleich mit Krücken auszustatten.

Gesehen im Anatomischen Institut: Eine Bahnhofsvorsteherdrüse.

Weder den Menschen noch Gott kann man gerecht werden. Das letztere Problem wiegt schwerer, doch nur das erstere beschäftigt den modernen Menschen.

Les aventures de la avantgarde: Die französischen Intellektuellen waren schon produktive Schwätzer, bei denen die Inszenierung des Denkens an die Stelle des Denkens tritt, lange bevor dies in der Philosophie international branchenüblich wurde. Lesen die Franzosen einen deutschen Philosophen - Marx etwa, oder Clausewitz - so müssen sie darüber gleich ein Buch schreiben, als hätten sie den Himalaya durchquert oder die Quellen des Nils gefunden.

Georges Sorel, oder: Die Geburt des Faschismus aus dem Geiste der linken Korruption.

Ein Politiker mit geringem Einkommen erinnert an eine wenig frequentierte Prostituierte.

Spurlos: Ich bin und werde gewesen sein, denkt der traditionsorientierte Mensch. Ich bin und es wird sein, als wäre ich nie gewesen, ist die vorab feststehende Lebensbilanz des modernen Individuums.

Ein Romananfang: Es war einer jener vielen halbgaren, am dampfumwehten Herd verbrachten Momente, als es Jolanta Hackentritt plötzlich bewußt wurde, dass ihr nicht nur die Hühnerleber, sondern ihr ganzes Leben missraten war.

1968: Die kommenden Ereignisse werfen ihre Steine voraus.

Arbeitsbeschaffung: Politiker beschäftigen sich hauptsächlich mit Problemen, die es ohne Politiker nicht gäbe.

Dem gängigen Vorwurf, die katholische Kirche sei nicht mehr zeitgemäß und werde den Menschen der Moderne nicht gerecht, sei entgegengehalten, dass es vielmehr die moderne Zeit ist, die den Menschen nicht gerecht wird.

Auch harte Nüsse sind gleichwohl oft taub.

Eine ausgeräumte Persönlichkeit.

Der Übergang von der Galionsfigur zur Schießbudenfigur ist fließend geworden - und zwar in beide Richtungen.

Manchmal muss man das Kind mit dem Bade ausschütten, will man es vor dem Ertrinken retten.

Wer sich täglich neu erfindet ist am Ende des Tages eben nur erfunden.

Intellektuelle: Worüber sie nicht sprechen können, darüber können sie auch nicht schweigen.

Gemeinsamkeiten: Was die heutigen Linken nicht verstehen können, oder vielmehr: nicht verstehen wollen, ist, dass die SA-Uniform genauso wie die rote Fahne als antibürgerlicher Affekt gemeint war.

Sich selber niemandem zumuten zu wollen, zeugt nicht nur von tiefer Selbsterkenntnis, sondern auch von großem Einfühlungsvermögen.

Der Mut zur Unverschämtheit ist das Movens der Moderne.

Sie rauchte passiv-aggressiv mit.

Er wurde von den Roten erweckt.

Alle Macht geht dem Volke aus.

Der Protestantismus ist die Anmaßung der Reichsunmittelbarkeit zu Gott.

Unsere übelsten Handlungen lassen sich gemeinhin auf unsere Angst vor Vereinsamung zurückführen.

Ab einer gewissen Stufe der Einsicht in das Leben ist unsere Fortexistenz nur Ausdruck des Sieges biologischer Funktionen über unseren Verstand.

Die verschiedenen Kulturen sind wie die Blüten der Menschheit, doch geraten sie nur auf ihrem heimatlichen Boden wohl.

Am Protestantismus und seinen Auswirkungen auf das Christentum insgesamt kann man gut die historischen Folgen der Zurückdrängung sogenannter Formalismen auf die Lebenskraft der Institutionen, deren Stützung diese formalen Regeln dienten, studieren.

Dunkle Seite: Er fuhr jeden Sommer für zwei Wochen nach Norwegen, um dort mit wilden Elchen zu knutschen.

Man nehme sich beim Umgang mit Menschen in acht. Sie übertragen Viren, üble Angewohnheiten und irrige Ansichten.

Der Oettinger, die physikalische Einheit, in der der dummdreiste Opportunismus von Politikern gemessen wird.

Im Zeitalter des Neoliberalismus tritt der Kriminologe an die Stelle des Wirtschaftswissenschaftlers.

Beiträge zur Semiotik: Ist das Wort “Vogel” ein geflügeltes Wort?

Was der Liberale niemals verstehen wird ist, dass es tiefer Bindungen bedarf, um ein autonomer Mensch zu sein.

In der Ära des Neoliberalismus hat die englische Sprache die Rolle übernommen, die einst dem Rotwelsch zukam.

Halbbildung: Heutige Germanistikstudenten halten Bertolt Brecht für eine Figur der Augsburger Puppenkiste.

Jetzt, da die Menschen nicht mehr nach dem ewigen Leben streben, misslingt ihnen zusehends auch das irdische.

Ab einer gewissen Stufe der Selbsterkenntnis wird man sich eingestehen, dass man auch zu jenen Menschen gehört, die man in seinem Leben besser nicht kennen gelernt hätte.

Es ist einträglich, seiner Zeit weit voraus zu sein, sofern die Einzahlungen bereits in der Gegenwart auf dem Konto des Visionärs eintreffen.

Mikroökonomie des Friedhofwesens: Die Präferenzen sind verschieden. Die Präferierenden werden es früher oder später ebenfalls sein.

Wie die Maus auf das Kaninchen starren.

Das Leben ist die Krankheit zum Tode hin, durch welche jeder Patient berufen ist, mehr oder weniger glücklos selber die Diagnose zu stellen und die Kur auszuwählen.

In der Monarchie bewahrt sich, auch in ihrer nur noch repräsentativen Form, ein Begriff davon, was der Pöbel ist.

Die Äußerung von Belanglosigkeiten wird zur Zeit nicht juristisch belangt. Daher wohl der Name und die weite Verbreitung dieser Angewohnheit.

Wer nur Kind seiner Zeit und nicht zugleich zumindest Urenkel der Ewigkeit ist, wird nichts wesentliches hervorzubringen haben.

Die gentechisch orientierte moderne Medizin wird wohl bald einen sprechenden Philodendron hervorbringen, um die negativen Auswirkungen der Einsamkeit alter Menschen zu bekämpfen.

Seine Umgebung glaubte, Hammernet könne plötzlich fließend Niederländisch sprechen. In Wirklichkeit hatte er jedoch seinen ersten Schlaganfall.

Es sind die Traditionen, die uns aufrecht erhalten.

Die demokratische Revolution nimmt den Menschen alles, was geeignet ist, sie zu adeln - und sie nimmt dies nicht nur den Adeligen. Das Bewusstsein, dass es etwas Heiliges gibt, das Gefühl für Ehre und Anstand, die Verachtung für das Kommerzielle - dies alles vernichtet der Jakobiner, nur um am Morgen nach der Revolution als Koofmich zu erwachen.

Atemlos in letzter Minute auf den falschen Zug aufzuspringen - das ist der Inbegriff der Praxis des modernen Menschen.

Rein technisch: “Kopf hoch!”, sagte der Scharfrichter zum Delinquenten.

Materialistische Perspektive: Der moderne Mensch verliert an Substanz, wenn er eine Diät macht.

Skeptizismus: Die Frage aufzuwerfen, was Wahrheit sei, ist nicht nur berechtigt, sondern zeugt auch von hohem Geistesstand. Dieser Frage dann aber nicht nachzugehen, zeugt hingegen von Geistesträgheit.

Die Suche nach sich selbst, die der moderne Mensch so gerne inszeniert, ist nichts weiter als eine aufwendige Anstrengung, sich selber aus dem Weg zu gehen.

Umgekehrtes Vorzeichen: In einer zunehmend linksorientierten Gesellschaft wandelt sich linke Gesellschaftskritik in eine perfide und geschwätzige Form der Affirmation des Bestehenden. Dem späten Horkheimer war dies bewußt.

Die Neoliberalen schätzen die Zusammenarbeit mit Diktaturen, sei es nun in Chile oder in China. Dies ist ökonomisch gesehen auch vernünftig, muss man doch bei Konzentration der Macht in wenigen Händen nur eine kleinere Anzahl von Personen bestechen, als dies in einer Demokratie der Fall wäre.

Die renommierte Anwaltssozietät Strich & Faden.

Wir leben nicht in einem heroischen Zeitalter, sondern im Zeitalter der heroischen Mienen.

Pareto: Früher wechselten die Völker ihre Eliten aus. Heute sind es die Eliten, die ihre Völker auswechseln.

Man prosperiert in der Wissenschaft, wenn man sich die Mühe macht, die Groschen aufzuklauben, die bei anderen gefallen sind.

Hobbes: Der Staat ist die Bestie, die der Mensch geschaffen hat, um die Bestie Mensch im Zaum zu halten. Er ist somit keine Wohltätigkeitsorganisation, keine protestantische Kulturstiftung und schon gar nicht eine Umerziehungsanstalt für als starrsinnig und fortschrittsfeindlich erachtete Mitbürger.

Kulturelle Bereicherung - eine Phrase, die verdeutlicht, dass sich für den Linken wie für den Liberalen letztlich alles, also auch die Kultur, in eine Frage des Konsums verwandelt.

Psychologisches: Der stream of consciousness korrespondiert mit dem unendlichen stream of sins.

Wir differenzieren dort, wo unsere Sympathien liegen und verallgemeinern dort, wo wir Antipathien hegen. Dieses intellektuelle Ungleichgewicht ist der sichere Stabilitätsanker unseres behaglichen seelischen Gleichgewichts.

Vertrauensvoll: Der Henker wird`s schon richten.

Bildungsfernsehen: Das schlimme an der Wissenschaft von der Geschichte ist, dass inzwischen jeder Schmock glaubt, er verstünde etwas von ihr.

Elite: Die politische Karriere des gescheiterten Künstlers Adolf H. war der entscheidende Dammbruch für die radikale Senkung der Zugangsvoraussetzungen für politische Ämter. Seitdem wird offensichtlich jeder genommen, der beschließt, Politiker zu werden.

Beschleunigung: Die Moderne hat den Einfall der Vandalen zum permanenten Zustand gemacht.

Geisteswissenschaftler haben ihre Leichen nicht im Keller, sondern in ihren Fußnoten.

Das schlimmste, das einem Volk widerfahren kann, sind Politiker, die anfangen, an ihre eigenen Lügen zu glauben.

Schuldverhältnis: Kultur ist der Anspruch, den unsere Ahnen an uns stellen.

Wie geschäftig der moderne Mensch sein Leben auch betreibt - er wird diese Welt unverrichteter Dinge wieder verlassen.

Was den modernen Liberalen kennzeichnet, ist seine ausgeprägte Illiberalität.

Die vernünftelnde Kritik am Christentum übersieht, dass diese Welt ein sehr vernünftiger Ort wäre, würden sich alle Menschen an den Worten Christi orientieren.

Man weiß nicht, was den modernen Menschen stärker abhanden gekommen ist: die Distanz sich selber gegenüber, oder eben dieses Selbst.

Wer hat eigentlich die Mehrheit zum Schweigen gebracht?

Die Geier, die sich am Ende einer Epoche von deren Aas ernähren, werden von den Zeitgenossen zunächst meist als zwar schräge, aber harmlose Vögel wahrgenommen.

Nach zweihundert Jahren Aufklärung glauben die meisten Schüler heute, dieser Begriff sei lediglich ein Synonym für “Sexualkunde.”

Die Anmaßung, eine Tradition begründen zu wollen. Es sind vielmehr die Traditionen, die uns begründen, auf denen wir gründen.

Und an den Iden des März war wohl selbst Julius Caesar mit seinem Latein am Ende.

Die Opfer des Islamismus wird es trösten, wenn sie von linken Geschichtskennern darüber aufgeklärt werden, dass sie, ebenso wie die Opfer des Sozialismus, lediglich aufgrund eines bedauerlichen Missverständnisses, aufgrund einer Fehlinterpretation der wahren Lehre sterben mussten.

Angesichts solcher Zeiten sei es jedem Zeitgenossen anempfohlen, sich unzeitgemäß zu verhalten.

Die heutigen Intellektuellen sind keine Zwerge auf den Schultern von Riesen, sondern Gnome, die den Riesen gegen das Schienbein treten.

Das Kriegsbeil begräbt man gerne zusammen mit dem erschlagenen Gegner.

Irgendwann wird man wohl einfach aus Gewohnheit gewöhnlich.

Nachdem die Philosophie den Ehrgeiz entwickelt hatte, die Welt nicht nur zu interpretieren, sondern auch noch zu verändern, ist die Welt nun um kein Gran besser geworden, die Philosohie hingegen um Längen schlechter.

Wer die Religion als Opium für das Volk denunziert, tut dies in der Absicht, den Markt für Opium zu übernehmen.

Man wird wohl bald die Friedhöfe verpachten, auf das auf den Gräbern im großen Stil Radieschen angebaut werden.

Auf der Höhe der Zeit zu sein, zeichnet das Individuum nicht zu allen Zeiten aus.

Er verneigte sich in Erfurt vor Ehrfurcht. Oder war es umgekehrt?

Eine Lichtgestalt dank künstlicher Beleuchtung.

Gesinnungen, die für ihre Träger mit Mühen und Selbstbeschränkungen verbunden sind, ohne diese Kosten durch die Möglichkeit zu kompensieren, seine Mitmenschen terrorisieren zu dürfen, sind in der Moderne zum aussterben verurteilt.

Artistik: Man kann ohne Verstand räsonieren, so wie man auch freihändig Fahrrad fahren kann. Mitunter erweckt man damit sogar den Eindruck großer intellektueller Kunstfertigkeit.

Wandelt man sich zum entschiedenen Pessimisten, so tauscht man die mit allen Hoffnungen untrennbar verbundenen quälenden Ungewissheiten gegen quälende Gewissheiten ein.

Gedungene Mörder haben häufig gediegene Einkommen.

Die meisten Prinzipienreiter kommen irgendwann zu Fuß nach Hause.

Ethnografisches: So manchem Kannibalen ist schon eine Grete im Halse stecken geblieben.

Elemente zur Philosophie der Sprache: Das Wort “kurz” ist treffenderweise tatsächlich kurz, das Wort “lang” hingegen ist kurioserweise nicht länger.

Der zeitgemäße Politiker nimmt eher Geld als Haltung an.

Wofür man gesessen hat, dazu will man in der Regel nicht stehen.

Bologna: Es fehlt zur Vollendung des marktkonformen Umbaus der deutschen Universität nur noch, dass in den Seminaren der Germanisten mit der englischen Übersetzung des “Faust” gearbeitet wird.

Das Neue Testament fordert von uns Nächstenliebe ein und benennt als Beispiele für Objekte dieser Liebe Huren, Diebe und Zöllner. Christlich zu sein geht also sehr wohl mit einem realistischen Menschenbild Hand in Hand.

Von unseren Mitmenschen dürfen wir keine Gerechtigkeit erwarten, von Gott müssen wir diese befürchten.

Unter den roten Teppich gekehrt.

Wir sind vollauf von den friedlichen Absichten einer Religion überzeugt, deren Stifter eher an Attila den Hunnen, als an Jesus Christus erinnert.

Die Menschheit wirkt mitunter wie eine aus dem Ruder gelaufene Parodie auf eine sich balgende Affenhorde.

Der Beruf des Strauchdiebs wird auch deshalb so häufig ergriffen, da er weder botanische noch sonstige Fachkenntnisse voraussetzt.

Der Ruhm der heutigen Politiker erinnert an ein billiges Parfüm: zunächst penetrant in der Nase stechend, sich dann aber auch schnell verflüchtigend.

Der Wurf des ersten und der Wurf des letzten Steins sind am verwerflichsten: Der erste eröffnet der Meute den Weg, der letzte ist ein sadistisches Nachtreten. Alle Steinwürfe dazwischen zeugen vom üblichen Mitläufertum des Durchschnitts, also dem moralischen Erwartungswert.

Der Raum zwischen den menschlichen Ohren gehört zu den unwirtlichsten und gefährlichsten Regionen dieses Universums.

Mit mancher alten Uhr läßt sich die moderne Zeit trefflich messen.

Nostalgie: Das Leben wäre so schön, hätten wir es nur schon hinter uns gebracht.

In der Ära des Neoliberalismus sitzen die Lobbyisten nicht länger in den einst namensgebenden Lobbies der Parlamente, sondern in den Parlamenten selber.

Wenn die Dichter stiften gehen, bleiben die Agitprop-Autorenkollektive.

An seinen Grundsätzen kann man zugrunde gehen. Hoffentlich sind sie es wert.

Der vom Liberalismus entgrenzte Mensch schrumpft zum Koofmich.

Anti-Cartesius: Die Einheit von Körper und Geist manifestiert sich auch darin, dass wir heftig mit dem Kopf schütteln, wenn wir einen unliebsamen Gedanken vertreiben wollen.

In der zur Spaßgesellschaft verzwergten westlichen Moderne glaubt man, ein Problem sei gelöst, wenn die Kabarettisten im Fernsehen sich seiner angenommen haben.

Dass der Mensch vom Affen abstammt, beschämt nicht nur den Menschen, sondern wohl auch den Affen.

Das meint, die Fliege, die man aus seiner Suppe fischt, noch zu fragen, ob die Temperatur im Teller angenehm war.

Zur Wahrheit finden wir über eine Kette von Enttäuschungen, zur Lüge aber finden wir über eine ununterbrochene Bestätigung unserer Eitelkeiten.

Ob das Jüngste Gericht dereinst wohl ärztliche Atteste akzeptieren wird?

Katzen sind die Frauen unter den Hunden.

Die Würde des Menschen tritt am deutlichsten dort zu Tage, wo sie zu bröckeln beginnt.

Quintessenz des Lebens: Er kam, sah und ging unverrichteter Dinge.

Der heutige Durchschnittsabiturient hält die Mayas für ein Bienenvolk.

Man kann eine Kultur planmäßig zerstören, aber man kann keine Kultur planmäßig aufbauen.

“Das Ende ist nah!”, rief Pfarrer Himmelschreih, als während des Jahresausflugs des Pfarrgemeinderats der Bus in eine Sackgasse einbog.

Die Tragik des modernen Individuums erschöpft sich darin, unglücklich in sich selber verliebt zu sein.

Alleinstehender Herr sucht alleinstehende Frau zwecks zukünftigen gemeinsamen Herumstehens. Bitte nur ernstgemeinte Zuschriften.

Man kann es nicht allen recht machen. Aber man kann alle schlecht machen, denen man es nicht recht machen kann.

Die Glutenfreiheit seiner Lebensmittel ist die einzige Freiheit, die den zeitgemäßen Bürger noch emotional tangiert.

Es bliebe noch die Traditionslinie des linken Antisemitismus nachzuzeichnen, die von Franz Mehring über Stalin bis zum modernen “israelkritischen” Linksliberalen reicht.

Dank der zunehmend adipösen Gesellschaft in Deutschland wird die breite Öffentlichkeit tendenziell immer breiter.

Der sakrale Auftrag der Satire, mag sie sich dessen bewußt sein, oder auch nicht, ist es, die Lächerlichkeit des sündenverhafteten Lebens aufzuzeigen.

Das moderne Leben ist zu einer Kaffeefahrt mutiert: Wir werden unter der Führung von wortgewandten Koofmichs an einen Ort verbracht, den wir noch nicht kannten, und der, wie sich herausstellt, des Kennenlernens genausowenig wert ist, wie  der Ort, von dem wir herkommen, um am Ziel billig verköstigt zu werden und schließlich noch überzogene Preise für Dinge zu bezahlen, von denen wir eigentlich immer schon wußten, dass wir sie nicht brauchen, die wir aber schon deshalb  kaufen müssen, damit man uns nicht alleine zurück läßt.

Kultur ist ein vorübergehend zwischen Recht und Tradition eingepferchter Zustand der Barbarei.

Um geistreich zu erscheinen, bemühen wir uns im geselligen Gespräch das Paradoxe in der Welt aufzuzeigen, übersehen dabei aber, das das Charakteristische und zugleich Erschreckende an dieser Welt in ihrer Folgerichtigkeit zu suchen ist.

Freiheit versteht der Deutsche als die glückliche Situation, in der er sich einem neuen Hirngespinst unterwerfen kann.

Der moderne Mensch würde in der Gegenwart eines Heiligen nicht Ehrfurcht, sondern eine Kränkung seiner Eitelkeit empfinden.

Der auffälligste Zug der modernen Massenmedien ist die mit ihrer Hilfe technisch perfektionierte Kolportage der Dummheit.

Der eine ist beliebt, aber nicht beleibt. Der andere hingegen ist beleibt, aber nicht beliebt. So ungerecht geht es also zu in der dieser Welt.

Man wird wohl bald den Straftatbestand der Bestechlichkeit abschaffen, da dieser Politiker in ihrem verfassungsmäßigen Recht auf ungehinderte berufliche und persönliche Entfaltung einschränkt.

Was bleibt aber, stiften die Dichter: In der Kunstgeschichte bahnt das betont Progressive, das auf den Skandal hin angelegte, lediglich den Gebrauchsgrafikern und Pornographen von Morgen den Weg. Nur die stillen Töne führen die Bahnen der Kunst wahrhaftig auf ihrem Weg in das Unsagbare weiter.

Engagement: Künstler, die mit ihrem Werk etwas bewirken wollen, wirken zumeist reichlich bemüht.

Ein Elder Statesman ist ein Politiker, der seine Pfründe glücklich in trockene Tücher gebracht hat und nun mit wohlwollender väterlicher Autorität und Gelassenheit jüngere Politiker, die ihre Pfründe noch erobern müssen, berät.

Die Kirche muss den Sündern beistehen. Aber die Kirche muss den Sündern nicht beipflichten.

Anstehende Säuberungen: Man wird wohl bald die Universitätsbibliotheken nach Statistiklehrbüchern durchforsten, in denen das Geschlecht des Menschen als Beispiel für eine kategoriale Variable mit nur zwei Ausprägungen angeführt wird. Die Bücher, deren Autoren sich dieses Vergehens gegen die ja jedem Menschen mit gutem Willen unmittelbar einsichtige Genderlehre aus verstockter Bosheit heraus schuldig gemacht haben, sind dann auszusondern und im Rahmen eines stimmungsvollen nächtlichen Fackelzugs vor der versammelten Studentenschaft zu verbrennen. Radikal tugendhafte Vertreter dieser humanistischen Lehre werden dabei auch die Gelegenheit ergreifen, mit Leidenschaft die Forderung aufzustellen, die Autoren der gerade verglimmenden Werke im nächsten Schritt ebenfalls thermisch zu entsorgen.

Je gescheiter die Leute sich dünken, desto häufiger scheitern ihre Ehen.

Der Teufel steckt im Detail. Gut für uns, wenn er darin stecken bleibt.

Der moderne Mensch ordnet als pflichtbewußter Hedonist sein persönliches Glück seiner Lust unter.

Political Correctness: Die aufgeblasene, mit entschlossener Sittenlosigkeit einhergehende Moralität der Moderne beruht auf dem Prinzip: Richte, damit du nicht gerichtet wirst.

Das Hadern mit Gott ist mitunter Ausdruck eines tiefen Glaubens.

Religion ist, wie alles menschliche Sein im Kern ein Tun. Eine zur ethischen Hintergrundüberzeugung verdampfte Religion ohne praktizierten Ritus ist tot.

Ein schlagendes Kompliment: Er sah wie Du aus, nur in gut.

Im Kulturprotestantismus wird aus dem “Sola fide” ein “Sola tempis.”

Das tägliche Wunder des “Vater unser” gründet darauf, Worte nachzusprechen, die ein bemerkenswerter Mensch vor zweitausend Jahren in einem kleinen Kreise aus einfachen Leuten gesetzt hat und die gegen alle Regeln der Wahrscheinlichkeit und entgegen aller ausgestandenen Verfolgung auf uns überkommen sind.

Wahlverwandtschaft: Nüchtern konnte er nicht schreiben. Seine Leser konnten seine Bücher nüchtern nicht ertragen.

Man lobt gerne und großzügig über den grünen Klee, der auf Gräbern wächst.

Wolkenkuckucksheim: Ein Hoch auf die Dichter! Mit den Hochs kommen oft die Wolken. Wolken werden immer dichter. Dichter bleiben oft recht wolkig. Dichter dichten über Wolken - und über andere Dinge. Wolken regnen über Dichter - und über andere Leute.

Tragisch: Eine Eintagsfliege mit Zukunftsängsten.

Die Ehe zwischen Mann und Frau ist die wohl verbreitetste Form der asymmetrischen Kriegsführung.

Das Zeitalter des Barock, als selbst die protestantischen Dichter noch gläubig waren.

Wer gedankenverloren ist, ist noch nicht gänzlich verloren.

Auch ohne eigene Persönlichkeit kann man persönlich erscheinen.

Richtungsweisend: Das man langsam zur Vernunft kommt, merkt man an der zunehmenden Zahl an Menschen, die einem auf dem Weg mit entschlossenem Schritt und ernster Miene entgegenkommen.

Man sollte sich die Freiheit zu bewahren suchen, auch die drängenden Fragen der Zeit nur zu beantworten, sofern es sich um intelligente Fragen handelt.

Bei so manchem Konfessionslosen können sich die Konfessionen glücklich schätzen, dass sie ihn los sind.

Scio me nihil scire: Die als Entschuldigung gerne bemühte Prüfungsangst ist in der Regel der Ausdruck eines fundierten Wissens um das eigene Nichtwissen.

In den Werken von Autoren wie Vilfredo Pareto oder Robert Michels kehren sich die originär linken Denktechniken gegen die Linke. Man kann darin auch eine Form der Dialektik der Aufklärung sehen.

Es ist schon viel, wenn man am Ende sagen kann: "Es war ein trauriges Leben, aber ich hatte oft zu lachen."

Die heimliche Hoffnung des wahren Zynikers ist es, in seiner Erwartungshaltung eines Tages enttäuscht zu werden.

Die Grundidee und zugleich das Grunddilemma der Theorie des kommunikativen Handelns wurden bereits von einem klassischen jüdischen Witz umrissen:
Es streiten sich zwei Juden über die korrekte Auslegung des Gesetzes und verlangen vom Rabbi eine Entscheidung. Nachdem der erste gesprochen hat, sagt der Rabbi: "Da hast Du recht." Als dann der zweite Jude die Rede seines Kontrahenten zu widerlegen sucht, spricht der Rabbi: "Da hast Du recht." Eines der dabeistehenden, bisher unbeteiligten Gemeindemitglieder wirft darauf ein: "Aber Rabbi! Es können doch nicht beide Recht haben!" Der Rabbi überlegt kurz und antwortet: "Da hast nun wiederum Du recht." 

Es kommen und gehen die Opportunitäten. Was bleibt, sind die Opportunisten.

Warum sollten Individuen, die die Kirche nicht im Dorfe belassen wollen, sie in der Seele der Menschen dulden?

Latrinenparolen: Damentoiletten sind Orte der geschwätzigen und bösen Häme, Herrentoiletten hingegen sind Orte des gepflegten fachmännischen  Austausches über die demnächst anstehenden Meuchelmorde.

In diesem Zusammenhang: Herr Ignatz Meuchel aus Bad Salz-Schmockstein hat den Autor gebeten, unsere Leser darüber aufzuklären, dass Herr Meuchel die oft zitierten und viel be- und abgeschworenen Meuchelmorde definitiv nicht begangen hat. Herr Meuchel ist Veganer und züchtet seit seiner Pensionierung Teerosen, ist also jeder Gewaltanwendung, die das mit der Handhabung einer Gartenschere einhergehende Mass übersteigt, abhold.

Solange ein Vorurteil neu ist und sich progressiv gibt, nennt man es gemeinhin ein Gebot der Moral und des Anstandes.

Nachlass: Wir können nur hoffen, dass wir stolperträchtige Unebenheiten hinterlassen werden, wenn man uns dereinst unter den Teppich kehrt.

Was das eigene Verhältnis zu der geschichtlichen Kultur angeht, aus der man hervorgegangen ist, so sollte hier die Maxime Pindars gelten: “Werde, der Du bist!”

Gerechtigkeit: Die Zeit lässt kein gutes Haar an uns, aber auch kein schlechtes.

Die Marterl in der fränkischen Landschaft sind wie Reißzwecken, die das Leben und die Welt an den Katholizismus anheften.

Das ausgehende 19. Jahrhundert: Das 19. Jahrhundert ging oft und gerne aus, und zwar mit wechselnden Bekanntschaften, darunter manch zwielichtige Gestalt. Irgendwann wurde dieses liederliche Jahrhundert dann folgerichtig unheilschwanger und kam schließlich mit dem 20. Jahrhundert nieder, um im gleichen Augenblick im Kindbett voller böser Ahnungen zu sterben.

Mafiös: Eliten sind in ihrem ökonomischen Kern Ganovenbanden, denen ihre Beute zu gönnen ist, solange sie andere Ganovenbanden auf Distanz halten.

Jean Paul gereicht jedem Schriftsteller zur Zierde, dem er als Schalck im Nacken sitzt.

Durch die vielen Hintertürchen, die sich die modernen Menschen in ihren jeweiligen moralischen Privatkasuistiken offenzuhalten suchen, erlangen uralte Teufelchen und Teufel Einlass.

Das Nachplappern der Phrasen der Zeit nimmt man als unbedingten Ausweis der Intelligenz, so wie man Papageien als intelligent einschätzt, da sie Aufgeschnapptes wiedergeben können.

Er blickte mit Wermut auf sein Leben zurück.

Die Aufstiegsmechanismen der heutigen politischen und ökonomischen Eliten bezeichnet am treffendsten der Begriff der sozialen Peristaltik.

Blätterrauschen: Der typische moderne Durchschnittsjournalist bezieht seine Existenzberechtigung daraus, selber ein wenig von dem Wind zu produzieren, in welchen er sein Fähnchen hängt.

Religionsanthropologisches: Die Funktion der Religion auf den einzelnen bezogen, ist es, dort Handlungsfähigkeit aufrecht zu erhalten, wo man in technizistischer Hinsicht nicht mehr zu handeln vermag, dort also, wo nur noch Beten hilft.
Die Funktion der Religion auf die Gesellschaft bezogen, ist es, das durch seine Biologie nicht eingehegte und daher auf das Transzendieren der bestehenden Lage hin angelegte Wesen Mensch einzufangen und dessen permanente Geschäftigkeit in produktive und zugleich konservierende Bahnen zu lenken.

Wie neueste Forschungen ergaben, geht die bekannte Redeweise “Das interessiert mich nichte die Bohne!” auf ein Ereignis aus den napoleonischen Kriegen zurück. Damals war der französische Leutnant Jean de Bonet zusammen mit seinem Kompanieführer bei ostwestfälischen Bauern namens Cloetenberger einquartiert. Eines Abends kam der junge, lebenslustige Leutnant zu seinem Vorgesetzten, der gerade in der großen Stube des Bauernhauses wichtige Schriftstücke bearbeitete und erklärte ihm mit gedrückter Stimme: “Moi capitaine, ich glaube, ich habe den Tripper.” Daraufhin antwortete der Hauptmann: “Das interessiert mich nicht, de Bonet!” Die gerade die Stube ausfegende Bäuerin Cloetenberger schnappte diesen auf deutsch geführten kurzen Dialog auf und hielt die schroffe Antwort des Hauptmanns für eine direkt in die deutsche Sprache übersetzte französische Redensart. Und da sie allerorten gehört hatte, dass die Franzosen ein überaus kultiviertes, den Deutschen weit überlegenes Volk seien, griff sie diesen prägnanten Satz auf und verbreitete ihn von ihrem kleinen Dorf aus in die ganze deutsche Nation, nicht ohne ihn freilich auf ihre bäuerliche, bohnengesättigte Lebenswelt umzumünzen.

Etwas vermerkeln: Neudeutsch für einen Vorgang, bei dem eine Institution schleichend ausgehöhlt und ihrer Substanz beraubt wird, um zukünftig nur noch als potemkinsche Fassade fortzudauern. Dieser Prozess wird häufig durch Subjekte ausgelöst, die ohne eigene Persönlichkeit geboren wurden und die, sobald sie sich an ihrer Wirtsinstitution festgesetzt haben, die durch ihre Körperlichkeit umhüllte rautenförmige Leere seuchenartig auf ihre Umwelt zu übertragen suchen. Die fraglichen Subjekte schmiegen sich dabei flexibel und ungehindert durch störende Ecken und Kanten den Händen der sie als Werkzeug gebrauchenden höheren oder vielmehr: niederen Mächte an, deren geschichtliches Endziel, nämlich die Verwandlung der Welt in ein nur noch durch Konsum und Kapital übertünchtes Nirwana, sie mit grenzenloser Ausdauer und entgrenzendem Elan umsetzen.

Mehr sein als scheinen - so hatte Goethe den Bürger gegen den Aristokraten abgegrenzt. In den Zeiten des Neoliberalismus hat der Bürger freilich, zumindest in dieser Hinsicht, deutlich aristokratische Züge angenommen.

 

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